400 Jahre Traditionen

Traditionen und Moderne

Geschichte des Gymnasium Arnoldinums

Seit über 400 Jahren ein Ort der Bildung – und heute moderner denn je.

Das Gymnasium Arnoldinum blickt auf eine lange Tradition zurück – und versteht sie als Auftrag: Lernen so zu gestalten, dass junge Menschen in ihrer heutigen Lebenswelt ihre Chancen erkennen und nutzen.

Gegründet 1591 durch Graf Arnold IV. von Bentheim und Steinfurt, ging es dem Landesherrn vor allem darum, Bildung und Wissen in seinem Territorium zu verankern. Das ist gelungen: Heute lernen hier rund 1.000 Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit etwa 100 Lehrerinnen und Lehrern.

Von der „Hohen Schule“ zum humanistischen Gymnasium

Aus der 1588 gegründeten Lateinschule entstand ein Gymnasium Illustre mit vier Fakultäten – eine akademische Lehranstalt, deren Einfluss weit über das Münsterland hinausreichte und Steinfurt zu einem Kulturmittelpunkt machte. 1811 wurde die Hohe Schule aufgelöst.

Auf Initiative des Burgsteinfurter Bürgertums nahm die Schule 1853 als staatliches Gymnasium ihre Arbeit wieder auf – mit dem Abitur als Zugang zum Universitätsstudium. Von Anfang an stand sie auch katholischen und jüdischen Schülern offen. Aus dieser Zeit stammt der Arnolditag, der bis heute regelmäßig begangen wird.

Verantwortung aus der Geschichte

Während der NS-Zeit wurden jüdische Schüler am Arnoldinum diskriminiert, ausgegrenzt und ausgeschlossen. Die Auseinandersetzung mit ihrem Schicksal ist uns bis heute ein besonderes Anliegen.

Europaschule Gymnasium Arnoldinum

Als Europaschule erfüllt das Arnoldinum die Anforderungen an eine moderne, weltoffene Schule. Aus seiner langen Geschichte – mit ihren mutigen wie schwierigen Kapiteln – schöpft es eine Haltung für die Gegenwart: Jede Zeit stellt ihre eigenen Aufgaben. Es sind die Menschen, die sich darin bewähren.

Das heutige Selbstverständnis

Die lange Geschichte des Arnoldinum prägt das Selbstverständnis der Schule bis heute.
Tradition bedeutet dabei nicht Stillstand, sondern Verantwortung – für Bildung, für Werte und für die Entwicklung junger Menschen.

Historische Bibliothek

Mit dem Buchbestand der ehemaligen „Hohen Schule“ besitzt das Gymnasium Arnoldinum einen seltenen Schatz: eine vollständig erhaltene gymnasiale Wissenschaftsbibliothek der Gründungszeit. In ihr spiegeln sich die theologischen und philosophischen Debatten seit dem Dreißigjährigen Krieg.

Der Bestand umfasst 2.732 Titel in rund 1.880 Bänden – darunter drei Handschriften, vier Inkunabeln und 276 Karten, überwiegend aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Die größten Gruppen bilden juristische und theologische Werke; es überwiegen lateinische Titel, daneben finden sich Bücher in acht weiteren Sprachen.

Nach der Schließung der Hohen Schule zunächst im Schloss verwahrt, kam die Bibliothek später an das Gymnasium. Die Neukatalogisierung (1984–1988), der Anschluss an die Fernleihe und eine Monografie zum Schuljubiläum 1988 machten die Öffentlichkeit erneut auf dieses Kulturgut aufmerksam. Heute ist die Bibliothek Mitglied im Netzwerk „Historische Gymnasialbibliotheken und -archive“.

Bestandserhaltung

Eine erste vollständige Schadenserfassung ergab mittleren bis größeren Restaurierungsbedarf. Gefördert mit 14.000 € durch die Koordinierungsstelle KEK und das Land NRW, dokumentierte die Buchrestauratorin Frau Püttmann den Zustand der Bestände; rund 200 Bücher erhielten inzwischen individuell gefertigte Schuber. Für die jahrelange Arbeit an der Historischen Bibliothek erhielt das Arnoldinum den zweiten Platz beim Heimatpreis 2022 der Stadt Steinfurt (Verleihung 2023).

Forschung und aktuelle Projekte

Zwei 400 Jahre alte Bände mit Original-Pergamenteinband – darunter Otto Casmanns „Naturphilosophie“ (1602) – dienen an der HAWK Hildesheim der Ausbildung junger Buchrestauratoren. Die älteste Handschrift, ein vermutlich im 14. Jahrhundert in Bologna entstandener Codex Iustinianus, wird mit bildgebenden Verfahren untersucht. Im Frühjahr 2026 erscheint zudem bei de Gruyter/Brill eine internationale Timpler-Festschrift zum 400. Todestag des Gelehrten – unterstützt durch einen Druckkostenzuschuss der Kreissparkasse Steinfurt.