Gymnasium Arnoldinum  
 
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Richard Huelsenbeck und Karl Döhmann

Die Abiturarbeiten in Deutsch der beiden späteren Dadaisten


Huelsenbeck Doehmann In zwei früheren Veröffentlichungen von 1988 (1) und 1992 (2) stellte ich ausführlich die Schulkarriere des späteren Dadaisten Richard Huelsenbeck und seines Freundes und Mitabiturienten Karl Döhmann in der Zeit von 1908 bis 1911 am Gymnasium Arnoldinum dar. Die beiden Aufsätze befassen sich an Hand der Dokumente im Schularchiv mit der Schulsituation und den pädagogischen Absichten der Lehrerschaft an der traditionsreichen Schule in einer westfälischen Kleinstadt, mit der herrschenden Ideologie und mit dem Lebensalltag der Schüler.

Als damaliger Kustos der historischen Bibliothek und des Schularchivs fand ich es bedauerlich, dass die Abiturarbeiten der Abiturjahrgänge seit 1862 - das Gymnasium wurde nach der Auflösung der einstigen Hohen Schule Steinfurt im Jahre 1811 als humanistisches Gymnasium 1853 wiederbegründet - nicht vorhanden waren. Vor etwa neun Jahren fanden wir einen großen Teil des bis dahin verschollenen Archivmaterials, so u.a. die fast vollständigen Abiturarbeiten von 1862 bis zum Zweiten Weltkrieg, wieder.

Denkmal Graf Arnold Hohe Schule Abi-Thema Deutsch 1911

Von Richard Huelsenbeck und Karl Döhmann, dem späteren "Daimonides" und "Edgar Firn" der Berliner Dada-Szene, den Hanne Bergius in ihrem Werk über die Dadaisten (3) unter die "Marginal-Dadaisten" einreiht, und den beiden weiteren Mitabiturienten vom Abitur Ostern 1911 liegen die mathematischen, griechischen und lateinischen Prüfungsarbeiten und eben der Deutschaufsatz mit dem Thema "Mit welchem Rechte hat die Geschichte Friedrich II. den Großen genannt?" vor.

Diese beiden Deutschaufsätze von Huelsenbeck und Döhmann sollen hier mit dieser Internetedition den Dadaforschern zur Kenntnis gebracht werden. Gleichzeitig steht hinter der Veröffentlichung das Bedürfnis eines langjährigen Lehrers am Gymnasium Arnoldinum, die Erinnerung an die beiden berühmten Schüler der traditionsreichen Schule wach zu halten.

Die Texte der Deutschaufsätze werden ergänzt durch die "Voracten und Verhandlungen" der Prüfungskommission, die handgeschriebenen Lebensläufe der beiden Abiturienten, durch einige teilweise bereits in den oben genannten Aufsätzen veröffentlichte und durch bisher nicht bekannte Fotos und durch die Abbildung dort erwähnter Archivalien. Ferner werden hier erstmals veröffentlicht 145 Aphorismen von Karl Döhmann aus dem Nachlass Döhmanns, die mir seine Schwester, Dr. Hildegard Koch-Döhmann, im Jahr 1987 zur Veröffentlichung überließ.

Altes Schulgebäude Richard Huelsenbeck (4) wird am 15. September 1908 unter der Matrikelnummer 2494 in die Obersekunda des Arnoldinums aufgenommen. Dass auswärtige Schüler z.B. aus dem Ruhrgebiet auf das Gymnasium Arnoldinum geschickt wurden, war durchaus üblich, denn es bestand in Burgsteinfurt, wie es damals noch hieß, die Einrichtung, auswärtige Schüler als Pensionsgäste in die Familien aufzunehmen, so dass man sich durch die Unterbringung und Verpflegung ein Zubrot verdienen konnte. Gründe für den Wechsel nach Burgsteinfurt waren allerdings auch häufig erzieherische Probleme mit den Schülern oder Disziplinarverstöße an der früheren Schule, die einen Verweis zur Folge hatten. Ferner erhofften sich die Eltern von der durchgehenden Überwachung und Betreuung ihrer Kinder durch die Lehrerschaft in Burgsteinfurt erzieherische Erfolge und ein Fortkommen in der Schullaufbahn trotz aufgetretener Schwierigkeiten.

Ähnlich gelagert war auch der Fall bei Huelsenbeck. Der Schulleiter des Bochumer Gymnasiums, das Huelsenbeck vorher besuchte, war gerade im Begriff, eine verbotene Schülerverbindung auffliegen zu lassen. Huelsenbeck wird zwar in den Berichten des Direktors nicht namentlich genannt, es wird aber erwähnt, einer der betreffenden Schüler sei an das Gymnasium in Burgsteinfurt übergewechselt. In der Zeit kam aber nur Huelsenbeck an das Gymnasium Arnoldinum. Die Zustimmung des hiesigen Schulleiters zur Aufnahme Huelsenbecks enthält keinen Hinweis auf diesbezügliche Vorfälle in Bochum. Huelsenbeck trifft es in Burgsteinfurt besonders gut oder hart, wie man will, denn er kommt zu seinem Mathematiklehrer, Prof. Blankenburg, in Pension. Es existiert ein "Gruppenbild aus der Pension Blankenburg" aus dem Jahre 1895 mit gleich fünf Schülern.

Offensichtlich war es so, dass Huelsenbeck während seiner Steinfurter Oberstufenzeit bestrebt war, keinen weiteren Konflikt zu verursachen und das Ziel des Abiturs, das er selbst erlangen wollte und seine Eltern ihm gesteckt hatten, zu erreichen und deshalb möglichst unauffällig seine schulischen Aufgaben erfüllte und sich dem Reglement fügte. Zu diesen Vorschriften gehörten das Silentium am Nachmittag, die Einhaltung der erlaubten Ausgehzeiten und das Meiden verbotener Lokale. Mit der Überprüfung der Vorschriften durch die Lehrer war jederzeit zu rechnen.

Abiturfeier 1912 Denn schon in den 1890er Jahren hatten sich die Disziplinverstöße, die verhandelt wurden, wie die Lehrerkonferenzprotokolle belegen, gehäuft, und von 1860 bis 1890 ist von zehn verbotenen Schülerverbindungen in Burgsteinfurt, die auch durch den Schulrat aus Münster persönlich verfolgt wurden, die Rede. Während der zweieinhalbjährigen Schulzeit Huelsenbecks am Gymnasium Arnoldinum fanden insgesamt 34 Lehrerkonferenzen, die Versetzungskonferenzen eingeschlossen, statt. In siebzehn der Konferenzen wurden vorrangig Disziplinarfälle behandelt. Die Strafen, die ausgesprochen werden, gehen vom ein- bis mehrstündigen Arrest im Schulkarzer über die Androhung der Entlassung bis zum Schulverweis selbst. Meistens handelt es sich darum, dass Schüler, schon ab der neunten Klasse, verbotenerweise Gastwirtschaften und Konditoreien am Ort, in den umliegenden Bauernschaften oder in Nachbarorten aufsuchten und dort Bier oder Wein tranken und betrunken nach Hause zurückkehrten, wo sie von den Lehrern gestellt wurden. In nicht wenigen Fällen sind in diese Besäufnisse gerade die in Burgsteinfurt in Pensionen lebenden auswärtigen Schüler verwickelt, und sie sind hinwiederum auch diejenigen, wie das Briefjournal des Direktors ausweist, die eben wegen zu schlechter Leistungen oder wegen bereits früher auffälligen Verhaltens ihre Schule verlassen mussten und am Arnoldinum Aufnahme gefunden hatten.

Über Richard Huelsenbeck wird allerdings in keinem Falle während seiner ganzen Schulzeit verhandelt, und es hat den Anschein, er habe auch niemals zu dem engeren Kreis von Beteiligten an Disziplinverstößen gehört.

Programm 1909/1910Am 27. Januar 1909, vier Monate nach seinem Eintritt in das Arnoldinum, hat Huelsenbeck "zur Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers und Königs Wilhelm II." seinen ersten öffentlichen Auftritt. Das Schulprogramm 1908-1909 hält fest, dass "außer vielen Freunden und Gönnern der Anstalt auch Seine Durchlaucht der Erbprinz Adolf in Vertretung Seiner Durchlaucht des Fürsten zu Bentheim u. Steinfurt erschienen war". Huelsenbeck deklamiert in der Feier das Gedicht "An Deutschland" von Emanuel Geibel, ein 12-strophiges Gedicht mit dem Untertitel "Januar 1871", das überquillt vor nationalem Pathos. Ein Jahr später trägt Huelsenbeck zum selben Anlass wiederum ein Gedicht vor, von H. Lingg "Römischer Triumphgesang".

In der Unterprima waren für Huelsenbeck Lessing, Schillers Dramen, Klopstocks Oden und Julius Cäsar von Shakespeare Unterrichtsstoff in Deutsch. Einer der acht Deutschaufsätze hatte die Frage zum Thema, welche Bedeutung Kolonien für ein Volk haben.

Am 12. Mai 1910 wird Huelsenbeck mit acht Mitschülern in die Oberprima versetzt, das Briefjournal des Direktors verzeichnet am 13. Juni 1910 einen Brief von Vater Huelsenbeck, "betreffend Gesundheit und Behandlung seines Sohnes". Über ein Antwortschreiben gibt es keinen Eintrag.

Am 17. September wird der Sedantag begangen. Das Schulprogramm 1910-1911 hält fest, "der Oberprimaner Hülsenbeck" sei ausgewählt worden, zusammen mit dem Direktor über die "nationale Bedeutung" dieses Tages zu sprechen. Der Inhalt oder Text der Rede ist nicht überliefert.

Dezember 1910. Huelsenbecks Schulzeit geht ihrem Ende entgegen. Aber bevor das Abitur bestanden ist, kommt es zu einer Verwicklung der fünf verbliebenen Abiturienten, einige waren schon vorher nicht zugelassen worden, in einen Skandal, der die Schule erschüttert. Unter den Schülern zirkulierte schon seit Jahren ein Nachschlüssel zum Amtszimmer des Direktors, den sich ein Mitschüler Huelsenbecks, ein Oberprimaner namens Luther, der erst am 1. Juli 1909 von Hamburg neu an die Schule gekommen war, besorgt hatte. Luther war Pensionsschüler des Direktors, und gerade er wurde vom Direktor gestellt, als er mit dem Schlüssel in das Dienstzimmer eingedrungen war und das zur Absendung an das Schulkollegium bereitliegende Paket mit den Abiturvorschlägen öffnete. Direktor Heilmann schreibt sofort einen Bericht an das Schulkollegium, die Zulassung des Oberprimaners Luther wird umgehend zurückgezogen, und es beginnt eine umfangreiche Untersuchung durch den Schulleiter, die Lehrer und auch den Schulrat aus Münster, um zu klären, ob die anderen vier Abiturienten von Luthers Vorhaben wussten oder ihn sogar zu seinem Vorhaben angestiftet hatten. Das Abitur steht also auf der Kippe. Die Vernehmungsprotokolle und die abschließenden Erklärungen der vier verbliebenen Abiturienten, sie versicherten "wahrheitsgemäß", dass sie ihren "Mitschüler Luther nicht dazu angestiftet oder veranlasst hatten, sich in betrügerischer Weise in den Besitz der Abiturientenarbeiten zu setzen" und ihnen "die Kenntnis dieser Arbeiten zu vermitteln", befinden sich noch heute im Staatsarchiv in Münster, zusammen mit dem Corpus delicti, dem Nachschlüssel zum Direktorzimmer.

Lehrerkollegium 1903 Einen großen Anteil am dennoch glimpflichen Ausgang des Verfahrens für die vier Abiturienten hatte die Tatsache, dass der Vater des Abiturienten Döhmann, Karl Döhmann sen., seit vielen Jahren einer der bedeutendsten und angesehensten Lehrer des Gymnasiums war. Der Vater Döhmann war selbst Schüler des Gymnasiums gewesen, später hier Lehrer geworden und hatte seit 1900 als Beigabe zum Schulprogramm eine Reihe bedeutender lokalgeschichtlicher Publikationen, u.a. die erste zusammenfassende Darstellung über die Entstehung des Landschaftsparks "Bagno" der Fürsten zu Bentheim und Steinfurt, verfasst.
Buch Bagno Buch Bagno

In der Verhandlung der Betrugsversuchs des Abiturienten Luther hatte sich Vater Döhmann in zwei Briefen an den Schulrat gewandt, um die Unschuld der vier anderen Abiturienten und natürlich insbesondere die seines Sohnes Karl nachzuweisen und das zwischenzeitlich erfolgte Geständnis der vier als durch falsches Vorgehen des Klassenlehrers erpresst hinzustellen.

Nachdem den Schülern nach dem Abschluss des dreiwöchigen Untersuchungsverfahrens "eine ernste Warnung" ausgesprochen worden war, Luther war vorher von der Schule verwiesen worden, bestehen sie das Abitur. Abiturienten 1911 Ohne Verletzungen und verbliebene Narben dürfte das Verfahren an ihnen nicht vorübergegangen sein. Ein schöner Abgang vom Arnoldinum war das wahrscheinlich nicht. Die beiden Lokalzeitungen berichten vom bestandenen Abitur, vom vorausgegangenen Skandal war in der Öffentlichkeit nichts ruchbar geworden. Huelsenbeck und ein weiterer Abiturient reisten sofort nach der Prüfung ab. Beiden wird am 07.03.1911 das Reifezeugnis "nebst Schriften von Weitbrecht und Herzen" nachgeschickt.

Zum Dadaisten war Huelsenbeck während seiner Schulzeit am Gymnasium Arnoldinum, das vor dem Ersten Weltkrieg noch die Attribute "evangelisch", "fürstlich" und "königlich" im Namen führte, an dem der Patriotismus und die Treue zum ortsansässigen Fürstenhaus des Schulgründers Arnolds IV. von Bentheim und Steinfurt Arnold IV. selbstverständlich waren, wo ein Kampf gegen alle kritischen, skeptischen und pessimistischen Weltanschauungen geführt und an Mannesehre und Sittlichkeit appelliert wurde, wo der Verzicht auf Alkohol und Sexualität gelten sollten und an dem unsichere pädagogische Experimente vermieden wurden, jedenfalls noch nicht geworden.

Primaner Huelsenbeck Schülerverbindung Huelsenbeck, der Artige unter der Schülermütze, immerhin überlegen lächelnd oder herablassend, keineswegs ratlos? Festzuhalten sind seine Unauffälligkeit, sein Aufstieg zum Deklamieren patriotischer Gedichte bis zur Rede am Sedantag, das Ausbrechen der Mitschüler in Alkoholexzesse und mäßige Kasinofreuden, dann schließlich der Skandal vor dem Abitur, das Ende mit Schrecken und der Abschied ohne Feier.

Unter Berücksichtigung des frühen Tagebuchs von 1908, das Huelsenbeck während seiner Schulzeit am Gymnasium Arnoldinum führte, das aber auch keine Sensation enthält, und des Tagebuchs 1912/13 sind seine Einschätzungen von Elternhaus, Schule und Gesellschaft als ambivalent zu bezeichnen. Zustimmung, Wertschätzung und Verteidigung wechseln mit Distanz und Kritik, halten sich die Waage.

Doehmann Doehmann Doehmann Doehmann

Huelsenbeck verlor seinen Freund und Mitabiturienten Karl Döhmann nicht aus den Augen. Im Medizinstudium gingen sie zunächst ähnliche Wege, in Berlin vereinte sie 1917 wieder die Dadaszene. 1915 malt Heinrich Maria Davringhausen das "Porträt Dr. Döhmann", das heute im Besitz des Museums Wiesbaden ist. Doehmann Doehmann Walter Mehring charakterisiert Döhmann in seinem Dada-Erinnerungsbuch von 1983. George Grosz erwähnt Döhmann in seinem Buch "Ein kleines Ja und ein großes Nein" von 1955. In einem erhaltenen Brief von Döhmann vom August 1946 an den Freund Salomo Friedländer in Paris, der zusammen mit Döhmanns Texten der Dadazeit abgedruckt ist in der Neuveröffentlichung von "Bibergeil" (5) aus dem Jahr 1983 und der auch mir als maschinenschriftliche Abschrift vorliegt, erfährt man einiges über Döhmanns Situation nach dem II. Weltkrieg. Döhmann war während des ganzen Krieges Leiter eines Lazarettzugs. Er fuhr mit ihm durch halb Europa und brachte die Verwundeten nach Berlin, wo er auf diese Weise seine Frau Chica alle paar Wochen sah. DoehmannAm Ende des Krieges wurde seine Wohnung in Berlin durch Bomben zerstört. Er konnte vielerlei retten, insbesondere den größten Teil seiner riesigen Bibliothek. Als besonders tragisch bezeichnet es Döhmann in jenem Brief, dass seine Frau am Tag des Waffenstillstands bei einem Unfall von US-Fahrzeugen in Weimar ums Leben kam. Sein Fazit in dieser Zeit lautet: "In welches grauenhafte Zeitalter sind wir geraten." Das Kriegsende bezeichnete für Döhmann einen absoluten Tiefpunkt des Vertrauens in das menschliche Kollektiv und die Politik.

Aber Döhmann resignierte nicht, was seinen persönlichen Neuanfang und seine berufliche und wissenschaftliche Weiterarbeit betraf. Er heiratete 1948 seine zweite Frau Erika Aderhold, praktizierte bis 1960 in Aschaffenburg als Arzt und kehrte dann nochmals in seine Wahlheimat Berlin zurück, wo er weiterhin als Arzt tätig war. Ich hatte 1987 und 1988 des öfteren Kontakt mit Döhmanns zweiter Ehefrau und konnte mit ihr nach ihrer Übersiedlung nach Hannoversch Münden über Karl Döhmann sprechen, der 1982 verstorben war.

Doehmann Doehmann Doehmann
Er sei in all den Jahren häufig auf internationalen Kongressen gewesen und habe dort die Ergebnisse seiner unaufhörlichen Forschungen auf dem Gebiet der Logik, Philosophie und der Sprachwissenschaft vorgetragen. Huelsenbeck habe er noch einmal in Berlin getroffen.

Doehmann Doehmann Auch Döhmanns Schwester, Frau Dr. Hildegard Koch-Döhmann, die als Witwe eines ehemaligen bayerischen Staatsministers 1987 über neunzigjährig in Bayern lebte, gab mir bereitwillig Auskunft über ihren Bruder. Er sei schon ein "überaus gelehrtes Haus" gewesen, und als er im späten Alter wieder nach Berlin zog, um dort als Arzt noch einmal neu anzufangen, habe sich doch gezeigt, dass er "durch und durch Berliner" war.

Doehmann Doehmann

Bildergalerie Richard Huelsenbeck und Karl Döhmann




Zu den Abituraufsätzen von Richard Huelsenbeck und Karl Döhmann

Das Thema des Abituraufsatzes "Mit welchem Rechte hat die Geschichte Friedrich II. den Großen genannt?" steht in einem bestimmten Kontext. Zum Abiturtermin im Herbst 1910 gab es ebenfalls ein historisches Thema als Deutschaufsatz, nämlich die Fragestellung "Warum feiern wir das Gedächtnis der Königin Luise?". Die Klassenaufsätze der Oberprima handelten von Lessings Laokoon, vom "Weltmeer als Völkerscheide und Völkerbrücke", von "Goethes Glaubensbekenntnis in den Oden", vom Ursprung vieler Gedichte Goethes in Eindrücken auf Reisen und Wanderungen; ferner ging es zweimal um Lessings Dramentheorie, um Goethes Iphigenie und um die Gestalten Macbeth und Lady Macbeth bei Shakespeare. Preußische Geschichte und die Identifikation mit Kaiser, König und dem Hause Hohenzollern standen natürlich all die Jahre bis zum I. Weltkrieg im Blickwinkel des Erziehungsinteresses der Schule. Die Oberprima im Jahr vor Huelsenbeck las als Unterrichtslektüre neben Goethe, Lessing und Schiller bei demselben Oberlehrer Hartmann, den Huelsenbeck in der Oberprima auch in Deutsch hatte, einen Text von Treitschke über Königin Luise und einen Text von Hampe über Friedrich II. Die Bewertungen der Taten Friedrichs des Großen, die in Huelsenbecks und Döhmanns Abituraufsatz enthalten sind, dürften weitgehend denen der gelesenen Texte und den Ausführungen des Lehrers entsprechen.

Vorakten und Lebensläufe zur Reifeprüfung von Richard Huelsenbeck und Karl Döhmann


Abituraufsatz Deutsch von Richard Huelsenbeck


Abituraufsatz Deutsch von Karl Döhmann




Zu den Aphorismen von Karl Döhmann

Die 145 Aphorismen sind mir 1987 von Frau Dr. Koch-Döhmann zur Verwendung überlassen worden. Das Typoskript umfasst 37 DIN A-4-Blätter mit jeweils drei oder vier Aphorismen. Das Textkonvolut trägt keine Überschrift. Abgesehen von der Veröffentlichung einiger dieser Texte in der von mir unter Anm.1 genannten Schrift sind nur zwei der Texte bisher bekannt, vertraut man der bereits erwähnten Neuausgabe von "Bibergeil" im Klaus G. Renner-Verlag. Der Aphorismus Nr. 56 erschien im DADA Almanach von 1920 (Nachdruck Edition Nautilus, Hamburg 2. Aufl. 1987, S. 160), Aphorismus Nr. 86 in "Menschen", Zeitschrift neuer Kunst, (Dresden) Nr. 94/96, Dezember 1920, S. 142 (Reprint Nendeln/Liechtenstein 1978). Die im Neudruck von "Bibergeil" veröffentlichten neun "Aperçus" (S. 27 f.) entstammen der Zeitschrift "Der Einzige", Nr. 10, vom 23.3.1919 (vgl. Reprint Der Einzige, hrsg. von Hartmut Geerken, München 1980, Bd 1, S. 119). Die Wiedergabe der Aphorismen folgt der Reihenfolge und der Textgestaltung des Typoskripts. Die Nummerierung ist von mir hinzugefügt worden.

In der Diktion ähneln die hier veröffentlichten und von mir so benannten Aphorismen jenen Aperçus. Allerdings ist keines jener Aperçus in der vorliegenden Aphorismensammlung vertreten. Die Sammlung enthält keine Angaben zur Entstehungszeit der kleinen Texte. Sieht man auf den Beginn des ersten Aphorismus, der "Mai 1945" lautet, so kann man wahrscheinlich annehmen, dass die Texte bis zum Ende des II. Weltkriegs, also Mai 1945, entstanden sind. Die ersten Texte wären dann entsprechend dem Erscheinungsjahr 1919 und 1920 für die Zeit nach dem I. Weltkrieg anzusetzen. Der skeptische Blick auf das Verhalten der Menschen, die Ablehnung von Kollektiv und Politik korrespondieren mit Döhmanns diesbezüglicher Einstellung im zitierten Brief von 1946 an Friedländer. Auch inhaltliche Aspekte der Aphorismen verweisen nur allzu deutlich auf negative Erfahrungen, die in den Jahren vor 1945 gemacht wurden.

145 Aphorismen von Karl Döhmann


Aphorismen von Karl Döhmann (Druckformat pdf)




Anmerkungen: (1) Albert Röser, "Weltdada" und "Daimonides" – Über die Grundlagen des Dadaismus am Arnoldinum in Burgsteinfurt, in: Albert Röser, Porträts aus vier Jahrhunderten. Arnoldinum Steinfurt 1588-1988, S. 111-172, Steinfurter Schriften 11, Steinfurt 1988. Die Schrift ist erhältlich über das Stadtarchiv Steinfurt, Rathaus Steinfurt, D-48565 Steinfurt und über das Gymnasium Arnoldinum, Pagenstecherweg 1, D-48565 Steinfurt. (2) Albert Röser, Burgsteinfurt – mein altes Gefängnis. Schuljahre am Gymnasium Arnoldinum, in: Hildegard Feidel-Mertz (Hrsg.), Der junge Huelsenbeck. Entwicklungsjahre eines Dadaisten, S. 156 – 196, Gießen 1992. (3) Hanne Bergius, Das Lachen DADAs, Gießen 1989, S. 240-243. (4) Huelsenbeck schrieb sich während der gesamten Schulzeit "Hülsenbeck" (!). Die Schreibung mit "ue", wie inzwischen in der Dada-Literatur üblich, wird hier aber übernommen. (5) Edgar Firn / Daimonides, Bibergeil. Pedantische Liebeslieder und andere Schriften (mit einem Nachwort von Werner Laster, d.i. Thomas Milch), München 1983.

Juli 2007
Verfasser des Textes: Albert Röser
Mitarbeit: Dr. Agnes Linß, Janine Bauer, Thekla Hüllen


 
 

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