Gymnasium Arnoldinum  
 
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Ein Schatz im Kreis Steinfurt: Die Historische Bibliothek des Gymnasiums Arnoldinum

Foto: Dorothea Böing, Stabstelle Kreis Steinfurt

Der Gesamtbestand der Historischen Bibliothek umfasst heute 2.732 Titel in ca.1.880 Bänden, darunter sind drei Handschriften, vier Inkunabeln oder Wiegendrucke, d.h. die frühesten, bis zum Jahre 1500 hergestellten Erzeugnisse der Buchdruckerkunst, und 276 Karten. Die Mehrzahl der Werke stammt aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Die thematisch größten Gruppen stellen die Werke der juristischen und theologischen Abteilung, die medizinische Abteilung umfasst nur 80 Titel. Es überwiegen bei weitem die lateinischen Werke - das Lateinische war damals die Sprache der Wissenschaft wie heutzutage Englisch - deutschsprachige Texte bilden eher die Ausnahme. Daneben finden sich aber auch vereinzelt Bücher in niederländischer, hebräischer, griechischer, französischer, italienischer, englischer und spanischer Sprache. Der Bestand verteilt sich auf sechs systematische Hauptgruppen, auf Theologie, Jura, Philosophie, Medizin, Historie und Philologie.
Der Aufbau des Bestandes erfolgte fast ausschließlich durch Geschenke des Schulgründers (112 Titel), späterer Mitglieder der gräflichen Familie, von Professoren, besonders von Johann Winand Pagenstecher und Rutgersius, aber auch ehemaligen Schülern. So wurde z.B. im Jahre 1939 anlässlich des Arnolditages eine Metaphysik von Clemens Timpler, die "Physicae Seu Philosophiae Naturalis Systema Methodicum" (Hannover, 1607), dem Arnoldinum von einem ehemaligen Arnoldiner geschenkt. Timpler war ehemals Professor der Philosophie an der Hohen Schule in Steinfurt und das Buch stammt ursprünglich aus den Beständen der Bibliothek des Prämonstratenserklosters Wedinghausen bei Arnsberg, war aber, wie eine Recherche vor kurzem ergab, schon vor der Auflösung der Klosterbibliothek im Jahre 1803 dort nicht mehr aufgeführt.
Einen größeren Verlust erlitt die Bibliothek durch eine Plünderung 1635 im Dreißigjährigen Krieg. Das Senatsprotokoll hält aber fest, der größere Teil der Bücher sei durch zwei Professoren zurückgekauft worden.
Die Hohe Schule beschäftigte von ihrer Gründung bis zu ihrer Auflösung immer einen akademischen Buchdrucker, so dass viele Werke der Professoren, die hier lehrten, den Druckort Steinfurt aufweisen. Die Namen der Bibliothekare oder Kustoden, wie wir sie heute nennen, sind lückenlos von 1699 bis heute überliefert; bis 1811 waren sie Professoren an der Hohen Schule, ab 1853 Lehrer des Gymnasiums Arnoldinum.
Nach dem Ende der Hohen Schule im Jahre 1811 wurde die Bibliothek im Schloss aufbewahrt, aber nach der Errichtung des neuen Schulgebäudes dem Gymnasium zurückgegeben. Da im 19. Jahrhundert eine neue, zeitgemäße Lehrerbibliothek aufgebaut wurde, fristete die akademische Bibliothek beinahe hundert Jahre ein Schattendasein. Über die Verwahrung, Sicherung und den Umgang mit der Bibliothek sowie über Ausstellungen bedeutender oder schöner Werke des Bestandes ist schriftlich nichts überliefert.
Erst 1943 legte der damalige Direktor der Schule nach dem alten Buchkatalog von 1772/73 einen systematischen Zettelkatalog an, der auch inzwischen eingetretene Verluste verzeichnet, die sich allerdings in Grenzen hielten. Mit der Restaurierung einzelner weniger Werke, der Neukatalogisierung in zwei Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen in den Jahren 1984 bis 1988, mit dem Anschluss des Bestandes an die Fernleihe der wissenschaftlichen Bibliotheken und dem Erscheinen einer Monographie über die Bibliothek zum Schuljubiläum 1988 wurde man wieder auf das wertvolle Kulturgut dieser Bibliothek, die den einmaligen Fall der vollständigen Erhaltung einer alten gymnasialen und universitären Wissenschaftsbibliothek mit dem besonderen Charakter ihrer Gründungszeit des späten 16. und frühen 17. Jahrhunderts darstellt, aufmerksam.

Luther-Text Martin Luther über das gute "Hausregiment" des "bonus oeconomus"; Martin Luthers Reim stellt ein frühes Loblied auf die Alltagsvernunft dar, woran Udo di Fabio seine helle Freude hätte (aus Johann Colerus, Calendarium oeconomicum perpetuum, Wittenberg 1609; Original des "immerwährenden Wirtschaftskalenders" in der Historischen Bibliothek des Arnoldinums)

Der Bibliothek stellen sich heutzutage folgende Aufgaben:

    1. Fortführung der Restaurierung und Pflege des Bestandes; damit zusammenhängend das Gewinnen von Sponsoren; Erweiterung der Zusammenarbeit mit der "Arbeitsstelle Historische Bestände in Westfalen" an der Universitäts- und Landesbibliothek Münster (ULB) und damit fachliche Beratung, Arbeitsleistungen (kleinere Restaurierungen) und Zugang zu weiteren Geldmitteln. Ausweitung der Zusammenarbeit mit den anderen Historischen Bibliotheken in Westfalen.
    2. Überführung der Buchdaten in computerlesbare Form und der Erstellung einer CD-Rom mit dem Bibliothekskatalog (bereits erfolgt, CD-Rom kann käuflich erworben werden).
    3. Präsentation der Bücher nicht nur durch einmalige Ausstellungen in der schulischen und außerschulischen Öffentlichkeit, sondern Integration der Bibliothek in die Unterrichtsarbeit der Schule.
    4. Zusätzliche Sicherung der vorhandenen Buchbestände aus der Lehrerbibliothek der Jahre 1811 bis 1918 in einem eigenen, gesicherten Raum.
    5. Die gewünschte größere Öffnung der Bibliothek, z.B. in Richtung Heimatvereine, bedingt eine Verstärkung der Sicherheit bei der Verwahrung und Bewahrung des Bibliotheksgutes.
    6. Schularchiv: dem Kustos obliegt auch die Betreuung des Schularchivs. Das Schularchiv kann z.B. hervorragende Möglichkeiten bei der Abfassung von Facharbeiten in Geschichte in der Stufe 12 bieten.
Zu 1.: Restaurierung und Pflege des Bestandes
In den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts konnten ca. 200 Werke der Bibliothek, das sind mehr als 10 % des Bestandes, in Fachwerkstätten restauriert werden. Die Finanzierung erfolgte durch die Kulturstiftung der Sparkasse Steinfurt zu zwei Dritteln und zu einem Drittel durch das Land Nordrhein-Westfalen über die oben genannte "Arbeitsstelle Historische Bestände in Westfalen" an der ULB Münster.
Rechnet man noch die Behebung leichterer Schäden und die Zerlegung von Sammelbänden und das Neueinbinden der Einzelbände in der Werkstatt der ULB, was unentgeltlich erfolgte, hinzu, so kann man sagen, dass in der Bibliothek viele der schweren Schäden, die im Laufe der Jahrhunderte entstanden waren, behoben sind.
Neben der Restaurierung lief eine mehrjährige Buchpflegemaßnahme für alle Bücher, gleichfalls durch die Werkstatt der ULB, durchgeführt in Münster oder in der Bibliothek selbst.
Zu 2.: Revision des Inventars
Die Revision des Katalogs, die Umsetzung des Datenbestandes in die Computerlesbarkeit und die Festlegung des endgültigen Status der Buchdaten für das Hochschulbibliothekszentrum NRW ist abgeschlossen. Zahlreiche Einzelschriften in Sammelbänden waren früher noch nicht erfasst worden. Finanziert wurde diese Maßnahme durch die Stiftung des Kreises Steinfurt und aus Mitteln des Landes NRW, bzw. der ULB Münster.
Der Datensatz des Bibliotheksbestandes erschien mit weiteren Informationen zur Bibliothek, zu ausgewählten Schriften und zum kulturellen Umfeld der Hohen Schule als CD-ROM, die man käuflich erwerben kann. Leitung des Vorhabens, Gestaltung und technische Durchführung lagen beim Fachbereich Design der Fachhochschule Münster. Das Projekt war eine Gemeinschaftsarbeit der Fachhochschule, der genannten Arbeitsstelle der ULB Münster und des Kustos der Historischen Bibliothek unserer Schule.
Zu 3.: Präsentation der Bücher
In einer Reihe von kleineren und größeren Ausstellungen innerhalb und außerhalb der Schule und für Besucher des Gymnasiums wurden ausgewählte Werke der Bibliothek gezeigt. Die Bibliothek beteiligte sich mehrmals mit einer Ausstellung am Tag des Offenen Denkmals in Steinfurt und am 650-jährigen Stadtjubiläum. Für Besucher der Schule oder speziell der Bibliothek (Mitarbeiter der ULB Münster, Mitarbeiter der Bibliothek Kloster Corvey, Teilnehmer am Bibliothekskongress, Dezernenten der Bezirksregierung, VHS-Gruppe, französische, amerikanische und guatemaltekische Austauschschüler, Mitglieder der Comenius-Arbeitsgruppe aus Italien, Frankreich und Deutschland, Eltern am Tag der Offenen Tür und Einzelbesucher) wurden Ausstellungen arrangiert. Für Mitglieder der Comenius-Arbeitsgruppe aus Italien und Frankreich waren vor allem die Darstellungen ihrer Länder in der Schedelschen Weltchronik von 1493 von großem Interesse.

Text Landwirtschaft Der schon oben erwähnte Johann Colerus war der erste deutsche Schriftsteller, der der Landwirtschaft eine neue Richtung gab. Sein "stets währender Kalender für die Hauswirthe, Ackerleute, Apotheker, Kaufleute, Wandersleute, Weinherren, Gärtner, gemeine Handwerksleute und alle diejenigen, die mit Wirthschaft umgehen", erregte allgemeines Aufsehen und wurde vielfach gedruckt. Die Ausgabe, die das Arnoldinum besitzt, weist sogar eine Traumdeutungslehre auf. Der schlichte Holzschnitt unten handelt von der Hühnerhaltung im Monat "Hornung", dem Februar nach dem Kalender Karls des Großen.
In Zukunft sollen verstärkt Schulklassen systematisch an die Bibliothek herangeführt werden. Ähnlich wird auch eine Zusammenarbeit mit lokalgeschichtlichen Arbeitsgruppen und Heimatvereinen – auch aus dem benachbarten Niedersachsen , z.B. aus Schüttorf, der ursprünglichen Heimat der "Hohen Schule", angestrebt.
Besonders erwähnen könnte man noch die Buchausstellung und die Feier zum 500. Geburtstag von Philipp Melanchthon mit der Präsentation von Reformationsschriften aus den Beständen der Bibliothek und mit Leihgaben aus der ULB Münster in den Räumen der Kulturstiftung der Sparkasse Steinfurt im Jahr 1997 und die Ausstellung "Bücher und Menschen in Krieg und Frieden" im Rahmen des Schulprojekts zur Feier der 350. Wiederkehr des Westfälischen Friedens von Münster und Osnabrück.
Interessierte und aufgeschlossene auswärtige Besucher der Bibliothek, aber auch unsere Schülerinnen und Schüler erleben immer wieder die Faszination, die von schönen, bedeutenden und wertvollen alten Büchern ausgeht. Sie sind überrascht, dass eine Schule noch diese kulturgeschichtlichen Einblicke und Ausblicke bieten kann. Die Bibliothek wird so immer wieder zum Ort, an dem bei entsprechender Information und Interpretation geistesgeschichtlich-kulturelle Überlieferung, aber auch handwerkliche Tradition unmittelbar und nachdrücklich zu spüren und zu erfahren ist.
Zu 4.: Bei der Lehrerbibliothek, die nach der Wiedergründung des Gymnasiums im Jahre 1853 aufgebaut wurde, finden sich zahlreiche Bücher, die mittlerweile ebenfalls Seltenheitswert haben und unserer besonderen Fürsorge bedürfen.
Hierbei handelt es sich zum Beispiel um die fast vollständige Weimarer Ausgabe von Luthers Werken mit fast hundert Bänden oder auch um das Grimmsche Wörterbuch neben frühen Ausgaben von Goethes und Schillers Werken. Bei der Durchsicht fand sich auch eine vierbändige Ausgabe von Johann Christoph Adelung, Wörterbuch der hochdeutschen Mundart, Wien 1808, die von ihrem Erscheinungsjahr her der Bibliothek der alten Hohen Schule zuzuordnen ist.
Zu 5.: Der erforderlichen größeren Sicherheit bei der Verwahrung und Bewahrung des kostbaren Bibliotheksgutes wird seit kurzem mit der erfolgten Installation einer eigenen Alarmanlage für das Magazin Rechnung getragen. Die Alarmanlage schützt nicht nur vor Einbrüchen und Feuer, sondern auch vor Wasser zum Beispiel bei Rohrbrüchen.
Zu 6.: Das Schularchiv umfasst neben Aktenmaterial zur Hohen Schule auch und vor allem Akten aus der Zeit nach der Wiedergründung des Arnoldinums als humanistisches Gymnasium im Jahre 1853. So liegen z.B. die Abiturarbeiten und die handgeschriebenen Lebensläufe, die früher bei der Meldung zum Abitur verfasst werden mussten, im Schularchiv. Eine Schülerin der Stufe 12 wertet zur Zeit diese Unterlagen über Emmy Dreyfus, geb. Cohen, die als erste jüdische Schülerin am Arnoldinum im Jahre 1925 Abitur machte, aus.


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