Gymnasium Arnoldinum  
 
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Traditionen in Bewegung: Geschichte des Gymnasiums Arnoldinum

Die "Hohe Schule": "Fußschemel für die reine, unverfälschte apostolische Lehre" (Arnold IV.) (Foto: Pape)


Das Gymnasium Arnoldinum blickt auf eine lange Geschichte zurück. 1588 durch den Landesherrn Arnold IV. als Lateinschule in Schüttorf bei Bad Bentheim gegründet, wurde die Schule 1591 nach der Verlegung nach Burgsteinfurt und mit der Fertigstellung des repräsentativen Schulgebäudes 1593 zu einer akademischen Lehranstalt mit den vier Fakultäten Theologie, Jura, Philosophie und Medizin/Physik ausgebaut. Eine Universität dieses Typs ohne das kaiserliche Privileg des Promotionsrechts nannte man Hohe Schule, Gymnasium Illustre oder Gymnasium Academicum, im Fall unserer Schule kam der Name Gymnasium Illustre Arnoldinum in Gebrauch.
Als Motive für die Hochschulgründung sind nicht nur konfessionelle bzw. macht-, territorial-, und bildungspolitische Ziele auszumachen, sondern auch private, individuell-biographische Gründe. (Inschrift auf der Gründungstafel)
Graf Arnold IV. musste sein Territorium gegen die Vereinnahmung durch die katholischen Hochstifte und Fürstbistümer Münster und Osnabrück absichern, das konfessionelle Motiv der Gründung lag in der Durchsetzung des reformierten Bekenntnisses calvinistischer Prägung. Die Einführung des calvinistischen statt des über mehrere Jahrzehnte gültigen lutherischen Bekenntnisses, der "groben lutterschen Lehr", wie es in zeitgenössischen reformierten Quellen hieß, mit der reformierten Kirchenordnung fiel mit dem Jahr der Schulgründung zusammen. Die Festigung der Gegenreformation durch das von Jesuiten geleitete Gymnasium Paulinum in Münster war für Steinfurt eine Herausforderung, das katholische Zentrum Münster eine scharfe Konkurrenz. Arnold selbst hatte eine, wenn auch kurze, akademische Ausbildung an der damals berühmten Straßburger Akademie des Johann Sturm erfahren, die neben der 1584 gegründeten Herborner Hohen Schule, an der zwei seiner Söhne studierten, zum Vorbild für die hiesige Schulgründung wurde.

"Hohe Schule": Welsche Haube des großen viereckigen Turmes (Foto: Pape)

So bestand das bildungspolitische und private Interesse der Gründung darin, für den Adel der Region und den männlichen Nachwuchs des gräflichen Hauses eine standesgemäße Erziehung zu garantieren. Es ist überliefert, dass Graf Arnold und seine Gattin im April 1587 nach Herborn reisten, weil ihre dort studierenden Söhne an den "Kinderpocken", den Windpocken, erkrankt waren, was einen damals recht beschwerlichen Krankenbesuch bedeutete.
Für den Pfarrer- und Beamtenstand sollte die Neugründung im Münsterland eine ordentliche Ausbildung gewährleisten. Und nicht zuletzt spielte offensichtlich das mittelalterliche Rechtsinstitut einer Stiftung bei der Schulgründung eine Rolle. Der Stiftungsgedanke sollte die persönliche Frömmigkeit des vorbildlichen Herrschers dokumentieren und die fortdauernde Erinnerung – memoria - an den Regenten wach halten.


Wetterfahne, Hohe Schule (Foto: Pape)

Der Calvinismus grenzte sich einerseits scharf vom Luthertum ab und stand andererseits in Konfrontation zur jesuitischen Theologie der Gegenreformation. Man war gezwungen Stellung zu beziehen im Konflikt zwischen den unterschiedlichen Strömungen im niederländischen Calvinismus, zwischen Remonstranten und Kontraremonstranten.
Da die Matrikel der Hohen Schule verloren gegangen ist, sind keine genauen Angaben über die Herkunft und die Anzahl der Studenten in den verschiedenen Zeiträumen möglich. In einer frühen Schrift wird von einer Höchstzahl von etwa 300 Studenten ausgegangen. An Hand der Biographien der 76 Professoren, die bis zur Auflösung an der Steinfurter Akademie wirkten, der Herkunftshinweise in Matrikeln anderer Universitäten und der biographischen Angaben zu Pfarrern und Beamten im Steinfurter Territorium und in den benachbarten Niederlanden kann als charakteristisch für die Steinfurter Schule angesehen werden, dass ein ständiger Austausch zwischen den Regionen stattgefunden hat, der Einfluss der Hohen Schule über das engere Gebiet weit hinaus ging und damit in Steinfurt ein Kulturmittelpunkt von mehr als nur regionaler oder gar nur lokaler Bedeutung entstanden war.

Als nach mehr als zweihundertjährigem Bestehen im Jahre 1811 die Hohe Schule durch die napoleonische Verwaltung aufgelöst wurde, war damit ein Zustand beendet, der sich schon seit längerem angekündigt hatte. Es waren zwar noch Professoren vorhanden, aber seit einigen Jahrzehnten kaum noch Studenten. Die Institution der Hohen Schule hatte sich überlebt. (s. auch Disziplinarordnung Hohe Schule)
Aus Kreisen des selbstbewusster gewordenen Steinfurter Bürgertums entstand aber schon um 1820 eine Initiative, die alte Hohe Schule als Gymnasium im Rahmen der Bildungsreform des preußischen Reformers Wilhelm von Humboldt wieder auferstehen zu lassen. Als Zulassungsberechtigung für die Universität sollte die verbindliche Abiturprüfung stehen. Die entscheidende Kraft in diesen Bemühungen war Bürgermeister Wilhelm Terberger, dem es hauptsächlich zu verdanken ist, dass nach dem Abschluss eines Staatsvertrags zwischen der preußischen Regierung und den beiden Häusern Bentheim das Gymnasium Arnoldinum als nunmehr staatliche Schule mit dem Namen "Evangelisch Fürstlich Bentheimsches Gymnasium Arnoldinum" 1853 nach fast 50-jähriger Unterbrechung wieder begründet war. Der Vertrag räumte dem Fürsten ein Ehrenpatronat ein. Auch wurde die Feier des Arnolditages im Juli festgeschrieben. Bis heute zeigt sich eine enge Verbindung des Fürstenhauses mit der Schule.
(siehe auch Schuljubiläen).
Schule Wasserstrasse Das ehemalige Schulgebäude des Arnoldinums an der Wasserstraße (Foto: Pape)

Staatliche Schulen sind in ihrer Zielsetzung nur begrenzt autonom. So war das neue humanistische Gymnasium als ausdrückliche Erneuerung der Stiftung des Grafen Arnold IV. bis zum Ende des Ersten Weltkriegs auf die Vermittlung der Werte des klassischen Altertums und der humanistisch-christlichen Tradition, die Treue zum Fürstenhaus und zu Kaiser und König und auf nationale Gesinnung als Erziehungsziele im Zweiten Deutschen Kaiserreich festgelegt. Als Zeichen der Modernität mag gelten, dass der humanistischen Hauptlinie des Gymnasiums über mehrere Jahrzehnte ein Realschulzweig angegliedert war, um die neuen Naturwissenschaften und modernen Fremdsprachen zu fördern und damit die Schüler auf die Berufszweige des bürgerlichen Lebens besser vorzubereiten.

Von Anfang an stand das neu gegründete Gymnasium auch den katholischen Schülern offen, natürlich auch der kleinen Zahl jüdischer Schüler. So machte Emmy Dreyfus, geb. Cohen, die einer Burgsteinfurter jüdischen Familie entstammte und erst vor kurzem verstarb, 1925 zusammen mit einer Mitschülerin als erste junge Frau am Arnoldinum ihr Abitur.
Ein besonderes Anliegen ist die Auseinandersetzung mit dem Schicksal von Juden und besonders jüdischer Schülerinnen und Schüler am Gymnasium Arnoldinum während der Zeit des Nationalsozialismus. Hier hat sich eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von Karl Friedrich Herhaus mit dem Projekt „Stolpersteine“ beschäftigt, dazu haben Schülerinnen und Schüler Exkursionen durchgeführt und etliche Quellen zusammengetragen. Entstanden ist ein umfangreiches Werk: Die jüdisch-christliche Episode des 1853 wiederbegründeten Gymnasium Arnoldinum in Burgsteinfurt 1853 – 1937 (Autor: Karl Friedrich Herhaus, 2013, aktualisiert Februar 2014).

Im Laufe der Schulgeschichte waren Schulleiter und Lehrer des Gymnasiums auch wissenschaftlich-schriftstellerisch tätig. Die Arbeiten wurden entweder in den jährlich erscheinenden Schulprogrammen und ihren Beilagen oder als selbstständige Werke veröffentlicht. Sie arbeiteten in den Fachgebieten Botanik, Astronomie, Logik, deutsche und englische Literatur, Patristik, Altphilologie, griechische, römische und mittelalterliche Geschichte, Bibliothekswissenschaft und, hier sind besonders Karl Döhmann und Rudolf Rübel zu nennen, auf dem Gebiet der Schulgeschichte und der Stadtgeschichte von Steinfurt. Erwähnt werden soll auch der Mathematiker Wilhelm Ackermann (1896-1962), der von 1929 bis 1948 am Arnoldinum unterrichtete und später in Münster an der Universität Mathematik lehrte. Ackermann war Schüler des berühmten David Hilbert in Göttingen.
Von den Schülern des Arnoldinums, die in ihrem Leben einen größeren Bekanntheitsgrad erreichten, sind zu nennen Wilhelm Schulze (1863-1935), der Professor in Marburg, Göttingen und Berlin war und als einer der bedeutendsten Vertreter der älteren deutschen Sprachwissenschaft gilt und wichtige Arbeiten in der Erforschung des Indogermanischen und Etruskischen veröffentlicht
hat.
Ein weiterer bedeutender Schüler des Arnoldinums war der Biologe Alexander Koenig (1858-1940), der auf seinen zahlreichen Forschungsreisen ein umfangreiches zoologisches Material sammelte, das er später in dem nach ihm benannten Museum in Bonn einbrachte. Obwohl er nicht das Abitur am Arnoldinum bestand, erinnerte er sich später in seiner Autobiographie gerne an seine Zeit am Arnoldinum in Burgsteinfurt.
Neben dem Begründer des Dadaismus, Richard Huelsenbeck (1892-1974), betätigte sich auch sein Freund und Mitabiturient von 1911, Karl Döhmann jun. (1892-1982), Sohn des Lehrers gleichen Namens, in der dadaistischen Szene von Berlin. Er hinterließ eine Sammlung skurriler erotischer Sonette und ein Manifest des Dadaismus. H. M. Davringhausen, ein Hauptvertreter der Neuen Sachlichkeit, malte ein Porträt von Döhmann, das als Schlüsselwerk in seinem Schaffen gilt und heute im Museum in Wiesbaden hängt. Döhmann wandte sich nach seiner Dada-Zeit sprachwissenschaftlichen Forschungen und Untersuchungen auf dem Gebiet der Logik zu. Schließlich verbrachte auch der Meisterschüler von Joseph Beuys, Blinky Palermo (1943-1977), mit bürgerlichem Namen Peter Heisterkamp, von 1959 bis 1961 zwei Jahre auf dem Arnoldinum, allerdings ohne das Abitur zu machen.

Schule gesamt Das Grußwort des Schuldezernenten in der kleinen Festschrift von 1978 attestiert dem Arnoldinum, es habe "als einziges von protestantischer Geisteswelt" geprägtes Gymnasium "die Idee der gymnasialen Bildung und Erziehung in Westfalen verwirklicht". Aus dem evangelischen Gymnasium sei nun eine Schule geworden, "die den Bedingungen einer pluralistischen Gesellschaft Rechnung trägt; aus dem Jungengymnasium des 19. Jahrhunderts wurde schon früh eine koedukative Schule, in der Mädchen zu den gleichen Abschlüssen geführt wurden wie die Jungen." Die Schule habe "sich stets bemüht, mit der Entwicklung Schritt zu halten, ohne ihr Grundanliegen, junge Menschen zu geistiger und musischer Bildung, zu Berufsfähigkeit und Hochschulreife zu führen, aus dem Auge zu verlieren." In der Festschrift von 1988 verpflichtet sich das Kollegium, "jeden Morgen neu an die Arbeit der Humanisierung der Menschheit" (Max Brod) zu gehen, "traditionsbewusst und reformbereit zugleich".
Wenn jetzt im neuen Schulprogramm die Reform und die Anpassung der Schule an die zeitgemäßen Anforderungen in einer deutlichen Ausrichtung auf die neuen Medien, die Methoden des eigenverantwortlichen Arbeitens der Schülerinnen und Schüler, die Berufsorientierung, das ökologische Denken, die stärker die Schülerinteressen berücksichtigende Projektarbeit und die Erweiterung und Verbreiterung des Schüleraustausches und der Schulpartnerschaften akzentuiert zum Ausdruck kommt, wird das historisch geprägte Profil des Gymnasiums Arnoldinum in seiner Relevanz nicht vernachlässigt und schon gar nicht vergessen.


 
 

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